Glücksspielreform 2026: Wer eine Lizenz will, muss zuerst die Spieler auszahlen

Seit 29. Juni 2026 liegt der Entwurf des neuen Glücksspielgesetzes in Begutachtung. Der österreichische Online-Markt wird geöffnet, das bisherige win2day-Monopol beendet – allerdings unter strengen Auflagen. Eine davon hat es in sich: Wer sich um eine der neuen Konzessionen bewerben will, muss unter anderem rechtskräftig zugesprochene Forderungen von Spielerinnen und Spielern erfüllen.
Für tausende Betroffene, die in den vergangenen Jahren Geld bei Online-Casinos ohne österreichische Konzession verloren haben, könnte das zum Wendepunkt werden: Anbieter, die künftig legal in Österreich tätig sein wollen, können es sich schlicht nicht mehr leisten, bereits ergangene Urteile auszusitzen.
Die Ausgangslage: Verluste sind rückforderbar
Der Oberste Gerichtshof judiziert seit Jahren in ständiger Rechtsprechung (grundlegend OGH 1 Ob 229/20p): Online-Glücksspielanbieter ohne österreichische Konzession handeln gesetzwidrig, die Spielverträge sind nichtig – Spielerinnen und Spieler können ihre Verluste zurückfordern, nach allgemeinen zivilrechtlichen Regeln bis zu 30 Jahre rückwirkend.
Bislang scheiterte die Durchsetzung allerdings häufig nicht am Recht, sondern an der Vollstreckung: Malta blockiert mit dem Gesetz „Bill 55″ die Anerkennung österreichischer Urteile gegen dort ansässige Anbieter. Wer ein Urteil gegen ein maltesisches Online-Casino erstritten hat, biss bei der Vollstreckung auf der Insel oft auf Granit.
Rückenwind aus Luxemburg
Genau diese Blockade wackelt. Im Verfahren C-683/24 – einer Vorlage des Handelsgerichts Wien – hat der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs am 23. April 2026 die maltesische Abwehrklausel als „offensichtlich unvereinbar“ mit der Brüssel-Ia-Verordnung eingestuft. Das Urteil des EuGH steht noch aus, die Schlussanträge gelten aber als deutliches Signal.
Bereits im Jänner 2026 stellte der EuGH außerdem klar (C-77/24), dass für Ansprüche österreichischer Spieler gegen ausländische Anbieter das Recht am Wohnsitz des Spielers maßgeblich ist – also österreichisches Recht samt der spielerfreundlichen OGH-Judikatur.
Drei Bausteine fügen sich zusammen: die gefestigte Rechtsprechung des OGH, spielerfreundliche Signale aus Luxemburg – und jetzt ein Gesetzgeber, der die Auszahlung der Spieler zur Eintrittskarte in den legalen österreichischen Markt macht.
Was das für Betroffene bedeutet
Wer bei einem Online-Casino ohne österreichische Konzession verloren hat, hat gute Karten – und mit der Reform verbessert sich vor allem die Aussicht, ein erstrittenes Urteil auch tatsächlich durchzusetzen. Drei Punkte sind jetzt wichtig:
- Ansprüche sichern: Auch wenn Verluste lange zurückliegen, können sie in vielen Fällen noch geltend gemacht werden. Je früher geprüft wird, desto besser.
- Unterlagen sind kein Muss: Die vollständigen Transaktionsdaten lassen sich über Datenauskunftsansprüche direkt beim Anbieter anfordern.
- Kostenrisiko abgeben: Über eine Prozessfinanzierung lässt sich die Durchsetzung ohne Vorkosten und ohne Prozesskostenrisiko finanzieren – eine Beteiligung fällt nur im Erfolgsfall an.
Wie die Rückforderung im Detail funktioniert, lesen Sie in unserem ausführlichen Beitrag: Online-Casino-Verluste zurückfordern – der komplette Ratgeber.