Wie lange kann ich zurückfordern? Die Fristen im Überblick (Stand 2026)

„Das ist doch sicher längst verjährt.“ Mit diesem Satz verabschieden sich viele Betroffene von Beträgen, die sie noch problemlos zurückholen könnten. Tatsächlich sind die Fristen bei Rückforderungen deutlich länger, als die meisten vermuten – in vielen Fällen dreißig Jahre. Dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Fristen ein.
Warum es oft 30 Jahre sind
Die kurze Verjährungsfrist von drei Jahren, die viele im Kopf haben, gilt vor allem für Schadenersatzansprüche. Rückforderungen, um die es hier geht, stützen sich aber meist auf das Bereicherungsrecht: Jemand hat etwas bekommen, wofür es keinen gültigen Rechtsgrund gab – also muss er es herausgeben. Für diese Ansprüche gilt die lange Frist.
Der Gedanke dahinter: Wer Geld ohne gültige Grundlage einbehält, soll sich nicht darauf berufen können, dass die Zeit für ihn arbeitet.
Online-Casino-Verluste
Weil Verträge mit Anbietern ohne österreichische Konzession nichtig sind, waren sämtliche Zahlungen rechtsgrundlos. Verluste können deshalb bis zu 30 Jahre rückwirkend zurückgefordert werden. Zusätzlich sind gesetzliche Zinsen möglich – bei alten Fällen kann das die Summe spürbar erhöhen.
Praktisch heißt das: Auch wer 2010 oder 2015 gespielt hat, ist nicht automatisch zu spät dran.
Kreditbearbeitungsgebühren
Auch hier geht es um Zahlungen auf Basis einer unwirksamen Klausel. Nach dem Grundsatzurteil des OGH (7 Ob 169/24i, Februar 2025) sind prozentual berechnete Bearbeitungsgebühren gröblich benachteiligend. Was auf eine unwirksame Klausel gezahlt wurde, ist rückforderbar – auch bei Krediten, die längst abbezahlt sind.
Wichtig ist vor allem: Ein zurückgezahlter Kredit ist kein Ausschlussgrund. Viele Betroffene werfen ihre Unterlagen nach der letzten Rate weg – genau die bräuchte man für die Prüfung. Fehlen sie, ist die Bank verpflichtet, Auskunft zu erteilen.
Servicepauschale bei Handy- und Internetverträgen
Beruhte die Verrechnung auf einer unwirksamen Klausel, sind auch diese Zahlungen ohne Rechtsgrund erfolgt – und damit ebenfalls über einen langen Zeitraum rückforderbar. Da die Pauschale jährlich anfällt, summiert sie sich bei langjährigen Verträgen erheblich.
Was die Frist wirklich gefährdet
Nicht die Zeit ist das größte Risiko, sondern zwei andere Dinge:
- Vergleiche. Wer mit einem Anbieter eine Abfindung vereinbart und unterschreibt, gibt damit meist weitergehende Ansprüche auf – auch wenn die Summe später deutlich zu niedrig erscheint.
- Zahlungsunfähigkeit des Gegners. Ein Anspruch nützt wenig, wenn beim Anbieter nichts mehr zu holen ist. Deshalb ist Warten kein neutraler Zustand.
Häufige Fragen
Ab wann läuft die Frist?
Im Regelfall ab der jeweiligen Zahlung. Bei vielen Einzelzahlungen über Jahre hinweg wird jede für sich betrachtet – ältere Beträge fallen also nicht automatisch alle gemeinsam weg.
Ich habe keine Kontoauszüge mehr.
Das ist lösbar. Bei Casino-Fällen werden die Daten beim Anbieter angefordert, bei Kreditfällen ist die Bank auskunftspflichtig.
Der Anbieter sitzt im Ausland – bringt das etwas?
Ja. Für Verbraucher:innen mit Wohnsitz in Österreich ist regelmäßig der österreichische Gerichtsstand eröffnet. Ein ausländischer Firmensitz ist kein Ausschlusskriterium.
Lohnt es sich, noch zu warten?
Aus unserer Sicht nicht. Die Prüfung kostet nichts, und die genannten Risiken werden mit der Zeit eher größer.
Kurz zusammengefasst: Rückforderungen stützen sich meist auf Bereicherungsrecht – dafür gilt die lange Frist von bis zu 30 Jahren, nicht die oft vermuteten drei. Casino-Verluste sind bis zu 30 Jahre rückwirkend rückforderbar, Zinsen zusätzlich möglich. Gefährlicher als Zeitablauf sind vorschnell unterschriebene Vergleiche. Die Prüfung ist kostenlos.